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Für Ingolf Zellin

Liebe Suhlerinnen und Suhler, liebe Freunde der Zooschule und von Ingolf Zellin,

seit dem vergangenen Montag liegen sehr schwere, emotionale Tage hinter uns. Wir sind erschüttert, tieftraurig und fühlen uns leer. Über viele Jahrzehnte hinweg habt ihr – und wir – prägende Erlebnisse mit diesem außergewöhnlich liebevollen Menschen gehabt: mit Ingolf Zellin.

Wir durften erleben, wie er uns und unseren Kindern die Liebe zu den Tieren und die Empathie für das Leben lehrte. Er war Lehrer – manchmal streng, aber niemals hart oder bösartig. Er hielt die Hände kranker und sterbender Menschen, spendete Trost, schenkte ihnen noch einmal schöne Momente und nahm ihnen die Angst. Er fing Menschen in ihren verzweifeltsten Augenblicken auf, gab Halt, hörte zu. Er kannte keine Uhr, nahm sich Zeit. Und wenn Worte nicht reichten, nahm er einen einfach in den Arm.

Ich selbst habe erlebt, wie Kinder, die völlig in sich verschlossen waren und nicht sprachen, bei ihm und seinen Tieren begannen zu kommunizieren – zuerst mit einem Tier, dann mit Ingolf. Ich habe erlebt, wie ein Palliativpatient meine Hand nahm, nur um mir zu sagen:

„Der Herr Zellin ist so ein toller Mensch.“

Und ich habe die vielen Kinder gesehen, die ihn liebten – und lieben – ihren Herrn Zellin.

Er gehörte zu unseren liebgewonnenen Gewohnheiten. Dieser graumelierte, ältere Herr mit seinem Cocker Spaniel, dem kleinen Merlin. Hier ein freundlicher Gruß, dort ein kurzer Schwatz – immer mit einem Lächeln.

Wenn ich ihm sagte, wie großartig seine Zooschule ist und was er hier geschaffen hat, kam sofort seine Antwort:
„Ja, aber ohne meine vielen Helfer wäre das nie so geworden. Das wäre doch nie gegangen!“


Und wenn ich erwiderte, dass es einen guten Grund gibt, warum Menschen sich um ihn scharten und halfen – nämlich seine besondere Art –, wurde er ruhig, fast schüchtern. Lob machte ihn verlegen. Und doch wusste er Anerkennung zu schätzen: dass man sieht, was seine Zooschule bewirkt – und vielleicht selbst ein Teil davon wird.

Die Anteilnahme ist überwältigend. Uns erreichen Nachrichten aus aller Welt. Es gibt Anrufe, die uns sprachlos zurücklassen, bei denen uns selbst die Stimme bricht. Unsere Kinder trösten Erwachsene, nehmen sie in den Arm.
 

Alles kam viel zu schnell. Ohne Vorwarnung hat uns Ingolf verlassen.

Wie es weitergeht, wissen wir noch nicht in allen Details. Aber eines wissen wir ganz sicher:

Es liegt an uns. Es liegt an uns allen, den Suhlerinnen und Suhlern.

Es liegt an uns, ob wir in einer Zeit, in der so viel negativ geredet wird, einen Ort bewahren, der für Hoffnung und positive Gedanken steht.
Es liegt an uns, ob wir einen Ort erhalten, an dem Nächstenliebe und Gemeinschaft gelebt werden.
Es liegt an uns, ob Kinder weiterhin Empathie für das Leben und für Lebewesen lernen dürfen.
Es liegt an uns, einen Ort zu bewahren, an dem ein Meerschweinchen über ein Handydisplay siegt.

In der Laudatio zu seinem Bundesverdienstkreuz – das wir ihm alle so sehr gegönnt haben – hieß es:
„Die Zooschule ist sein Lebenswerk – ein Geschenk an die Stadt Suhl, ein Geschenk an die Gesellschaft.“

Es liegt an uns Suhlerinnen und Suhlern, wie wir mit dem Lebenswerk von Ingolf Zellin umgehen.
Es liegt an uns Suhlerinnen und Suhlern, wie wir mit seinem Geschenk umgehen.

Das aktuelle Team der Zooschule möchte diesen Ort erhalten.
Doch dazu brauchen wir euch – Suhl und seine Menschen.
(Besonders jene mit einem bekennenden Herzen für Tiere und Menschen.)

Ein ganz besonderer Dank gilt Herrn Thomas Bachmann, der uns in diesen letzten Tagen mit außergewöhnlicher Stärke, Menschlichkeit und unermüdlichem Beistand zur Seite stand. Dieser Beistand ist nicht selbstverständlich und bedeutet uns mehr, als Worte ausdrücken können.

Für den Förderverein der Zooschule Suhl
Oliver Döhring

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